Posted by on November 20, 2011

Die Herbsttagung des Hochschulnetzwerks begann am Mittwoch (9.11.2011) mit mehreren Vorträgen und einer abschließenden Podiumsdiskussion auf dem Campus der Universität Augsburg. Das Team der Initiative „Bildung durch Verantwortung“ hatte in Zusammenarbeit mit dem gleichnamigen Hochschulnetzwerk engagierte Akteure im Themenfeld eingeladen, um die Zusammenarbeit zwischen Hochschule und Gesellschaft zu stärken.

Zu Beginn der Tagung begrüßte Prof. Dr. Peter Schettgen (Leiter des Zentrums für Weiterbildung und Wissenstransfer) die Tagungsteilnehmer. Nach einem kurzen Portrait der Universität Augsburg und dem ZWW skizzierte Prof. Schettgen das Augsburger Modell zur Förderung gesellschaftlichen Engagements in Lehre und Studium.

Den Grußworten schloss sich eine Eröffnungsrede von Prof. Dr. Werner Schneider (Vizepräsident für Studium, Lehre und lebenslanges Lernen der Universität Augsburg) an. Gemäß dem Leitbild der Universität Augsburg „Scientia et conscientia“ betonte Prof. Schneider die Wichtigkeit der aktiven Beteiligung der Universität an der Gesellschaft und wies zugleich auf die besondere Rolle der Universität in der Gesellschaft hin.

Anschließend wurde Prof. Schneider durch Jörg Miller die Urkunde zur Mitgliedschaft im Hochschulnetzwerk „Bildung durch Verantwortung“ überreicht. Die Universität Augsburg gehört damit zu den zehn Mitgliedshochschulen des Netzwerks, die sich für die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung in der deutschen Hochschullandschaft einsetzen.

Thomas Sporer stellte zum Eintritt der Universität Augsburg in das Netzwerk die Online-Community (www.bildung-durch-verantwortung.de) vor, die den Gedanken der Vernetzung durch soziale Medien unterstützen soll: Zur Dokumentation der Tagung und zur Netzwerkpflege wurde eine Plattform geschaffen, die nicht nur für offizielle Mitglieder des Hochschulnetzwerkes, sondern für alle Akteure in diesem Themenfeld offen steht.

Die amerikanische Sicht der Dinge erläuterte Jens Bemme. Er nahm im Oktober 2011 im Auftrag der Technischen Universität Dresden an einer Expertenreise der Fulbright-Kommission teil. In seinem Reise-Blog fasste Jens Bemme seine Einsichten und Erfahrungen des Besuchs an sechs amerikanischen Hochschulen zusammen. Es kam zum Ausdruck, dass deutsche Hochschulen den US-Amerikanischen im Bereich des „Community Outreach“ nicht unbedingt nachstehen. In den USA nutzen die Hochschulen, dieses Thema aber ganz gezielt, um mit verschiedenen Anspruchsgruppen in ihrem Umfeld (Politik, Unternehmen, Alumni, Philantropen, etc.) in Kontakt zu treten.

Als prominenter Gast war der Präsident der National University of Galway, Prof. Dr. James Browne der Einladung zur Tagung gefolgt. In seiner Keynote gab er anhand des Beispiels der Universität Galway einen Einblick in die europäische Perspektive auf die Mission Gesellschaft. Die Keynote lieferte ein Beispiel dafür, wie die Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung an einer Hochschule verankert werden kann.

Prof. Brown stellte dar, warum die National University of Ireland das strategische Ziel verfolgt eine engagierte Hochschule zu sein. Er zeigte auf, wie er an seiner Universität die Rahmenbedingungen schafft, dass sich Lehrende und Studierende über Forschung und Lehre hinaus für die Gesellschaft engagieren. Dabei ging er u.a. auf Anreizstrukturen für die Universitätsangehörigen sowie die curriculare Verankerung von Service Learning und Community Service ein. Für Prof. Browne ergibt sich aus der zunehmenden Individualisierung und der Dominanz der Medien in der heutigen Zeit die Notwendigkeit, die Studierenden zu verantwortungsvollen Bürgern auszubilden.

Am Beginn des zweiten Tages (10.11.2011) beleuchtete eine Keynote die deutsche Perspektive auf die Mission Gesellschaft. Holger Backhaus-Maul (Leiter des Fachgebiets „Recht, Verwaltung und Organisation“ an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Mitglied im Vorstand von Aktive Bürgerschaft) setzte sich kritisch mit dem Anliegen der „Dritten Mission“ auseinander, ging auf die Ausgangssituation deutscher Hochschulen ein und beschrieb Service Learning im Hinblick auf den aktuellen Forschungsstand. Er stellte dabei auch erste Ergebnisse einer deutschlandweiten Studie über das gesellschaftliche Engagement von Hochschulen vor.

Nach der Keynote veränderte sich die Interaktion der Tagungsteilnehmer grundlegend: Der Rest der Tagung wurde als sogenannter „Open Space“ fortgeführt. Der zweite Tag hob sich damit nicht nur durch die veränderte Örtlichkeit, sondern auch methodisch vom ersten Tagungstag ab. Die Räumlichkeiten der Alevitischen Gemeinde in Augsburg spiegelten die Offenheit und Diversität der Beteiligten wieder: Neben Professoren und Dozenten unterschiedlicher Hochschulen in Deutschland, waren auch Träger öffentlicher Einrichtungen, Mitarbeiter der Stadt Augsburg und Studierende unter den Teilnehmern.

Inhaltlicher Schwerpunkt des zweiten Tages war der gegenseitige Erfahrungs- und Wissensaustausch. Ein geeignetes Format dazu bot die Veranstaltungsform des „Open Space“. Hierbei war es allen Teilnehmenden möglich ein Anliegen vorzutragen, in den entstehenden Gruppen relevante Themen zu identifizieren und sich mit Interessenten darüber auszutauschen. Die entsprechenden Anliegen standen im Vorfeld der Tagung nicht fest, sondern wurden vor Ort entwickelt. Sogenannte „Sessions“ gaben dabei lediglich eine Uhrzeit und einen Ort für den Austausch vor.

Nach einer Einführung in den Ablauf und die Funktion des Open Space brachten die Teilnehmer diejenigen Themen ein, die sie im weiteren Verlauf diskutieren und bearbeiten wollten. Unter dem Motto „Grenzen überwinden: Hochschule und Gesellschaft gemeinsam gestalten“ fanden auf diese Weise vier Sessions statt, in denen jeweils fünf verschiedene Anliegen behandelt wurden. An den 20 unterschiedlichen Anliegen war zu sehen, wie vielfältig die Bedürfnisse, Themen und Projekte der Teilnehmende unter dem offenen Motto waren.

Der letzte Tag (11.11.2011) diente der Sicherung der identifizierten Themen und der konkreten Handlungsplanung zukünftiger Projekte. Nach einer persönlichen Evaluation, wurden Vorhaben eingebracht, die in der Zukunft realisiert werden sollen. Insgesamt wurde die Realisierung von elf Projekten geplant. Der Abschluss der Tagung ermöglichte allen Teilnehmern ihre Eindrücke mitzuteilen. Hervorgehoben wurden dabei insbesondere die dynamische Atmosphäre und die Erweiterung des eigenen Horizonts durch den gegenseitigen Austausch.

Posted in: Fachtagungen

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